Nervensystem und Gehirn

Nervensystem und Gehirn ein Lernzirkel mit Potential?

Neurobiologie in der Mittelstufe oder Oberstufe? Da bringen die Schüler ganz unterschiedliche Vorraussetzungen mit. Für wen sich der Lernzirkel eignet erfahrt ihr hier.

Stefan Mueller

By Stefan Müller

Ich unterrichte an zwei unterschiedlichen Schularten. Im beruflichen Gymnasium (BaWü) findet Neurobiologie im 2. Hj der 12. Klasse seinen Platz. Im normalen Gymnasium (G8) dagegen viel früher, am Ende der Mittelstufe. Für wen aber ist der Lernzirkel nun geeignet? Lohnt sich die Anschaffung überhaupt?

Ganz pauschal kann man das so nicht sagen und es hängt sicher auch viel von der jeweiligen Klasse und den Lernzielen des jeweiligen Bundeslandes ab. Klar ist jedoch, dass sich zumindest ein Blick in das Buch lohnt, wenn ihr nicht schon gute Materialien zum Thema habt. Falls Du andere gute Materialien hast würde ich mich über eine email von dir freuen. Wenn nicht, zeige ich Dir heute den Aufbau des Buches, Stelle Dir den Lernzirkel als Methode mit meinen Gedanken dazu vor gebe Dir einen Überblick über die behandelten Themen bevor ich von meinen Erfahrungen berichten werde.

Grundsätzliches - der Aufbau des Buches

Das Buch selbst könnte man in drei Teile Unterteilen – einen Vorspann, eine Abteilung mit insgesamt 24 Stationen und einen Teil mit den Lösungen (und Bildnachweisen).

Wie bei solchen Kopiervorlagen Büchern nicht unüblich, definiert Erwin Graf zu beginn seines Buches die Unterrichtsziele, die er sich bei der Erstellung der Sammlung setzte und Schwerpunkte des Buches. Nicht nur für den unerfahrenen Quereinsteiger oder Lehrer der fachfremd Bio unterrichten darf ist das lesen dieser Sektion durchaus sinnvoll – auch für alle anderen.

Lernzirkel - als Methode

Wenn ich an meine eigene Schulzeit zurück denke, sind Lernzirkel die Stunden die anstrengend, laut und chaotisch waren. Irgendwie war es in allen Schularten die ich jemals besuchte – und in meinem Fall waren das im Prinzip alle – immer gleich. Die erfahrenen Lehrer machten immer den gleichen Unterricht, bei dem man aber auch immer etwas lernte. Dumm nur, dass es da noch die jungen gab. Die, die immer versuchten alles besser zu machen. Andauernd eine neue Methode ausprobieren wollten, wie zum Beispiel Lernzirkel. Da gab es mal eine Lehrerin die eines Morgens ganz stolz in die Klasse kam und ihren Lernzirkel vorstellte. Dabei kamen die Metabotschaften mehr als der ganze Rest in mein Gedächtnis. Irgendwie muss die Arme ihr ganzes Wochenende damit zugebracht haben die Arbeitsblätter und Materialien vorzubereiten. Noch viel schlimmer, das Zeug war Stapelweise in der wohl tristesten Aula die man sich vorstellen kann vorbereitet. Heißt, auf gammligen Spanplattentischen lagen feinsäuberlich sortierte Papierstapel, Plakate und Stifte und an den verschmierten Wänden hingen zig selbstgezeichnete Plakate mit Arbeitsanweisungen darauf.

Ich fragte mich damals schon wieso man dafür sein Wochenende opfert und auch noch den Wecker früher stellt. Das schlimme aber an der Geschichte ist, dass der eigentliche Zirkel ein totales Chaos war. Irgendwie sollten wir die Stationen nacheinander abarbeiten, das klappte aber überhaupt nicht. Nach den anberaumten Doppelstunden, das weis ich noch, hatte ich immerhin zwei der fünf Stationen geschafft und war damit besser als der durchschnitt. Naja offen gestanden, lag dass aber auch daran, dass mich mein Vater zuhause solange nervte bis ich die Blätter halt zuhause fertig machte.

Als ich dann am Anfang meines Lehrerlebens mal von Stationenlauf hörte, dachte ich daran und schwor mir, dass niemals zu machen. Ok, zwei Wochen hat’s gedauert und brachte auch ein Wochenende damit zu, einen Stationenlauf mit immerhin 8 Stationen zu konzipieren. Und, ganz ehrlich, auch ich stand Montags früh um fünf in der Schule um zuerst zu kopieren und dann den Biologie Saal zu mit Plakaten zu verschönern und Stationen mit Geräten, Laptops und Arbeitsblättern aufzubauen.

Diesen Lernzirkel zu einem ganz anderen Thema mache ich nun jedes Jahr. Schon im ersten Jahr lief er ganz gut, die Schüler waren begeistert weil sie praktisch arbeiten konnten, hatten Abwechslung, durften sich bewegen und auch mal quatschen. In der Stunde danach lies ich einen unangekündigten Test schreiben – weniger für die Note als um vielmehr rauszubekommen was sie denn nun wirklich gelernt hatten. Und ich war begeistert – wieviel dabei rumkam.

Ganz grundsätzlich ist ein Lernzirkel sehr viel Vorbereitungsarbeit. Schließlich gehts im Unterricht ja nicht darum sich selbst darzustellen, ein Methodenfeuerwerk zu zünden oder so. Es geht ums lernen und ich orientiere mich bei neuen Methoden gerne an Hilbert Meyers didaktischem Sechseck um den Unterricht zu planen oder meine Planung zu hinterfragen.

Für mich bietet der Stationenlauf hier viele Chancen aber auch gefahren. Um den Nutzen abzuwägen stelle ich mir deshalb die folgenden Fragen:

  1. Echte Lernzeit
  2. Wie kann es ausreichend ruhig bleiben um ein „Lernförderliches Klima“ zu gewährleisten=
  3. Habe ich die Ziele verständlich kommuniziert?
  4. Sind die Stationen klar genug formuliert?

Bei den Zielen 1. – 3. kommt es vor allem darauf an ob ich die Klasse im Griff habe – Stichwort „classroom Management“. Da habe ich stärken und schwächen – aber da kann das Buch nichts daran ändern.

Der 4. Punkt – wie gut die Stationen formuliert sind – geht aber klar auf das Konto des Buches und hier kann es wirklich sehr gut punkten.

Themen - Was drin ist

Je nach dem in welcher Klassenstufe und Schulart man das Buch einsetzten will ist es eine gute Möglichkeit um den Schülern einen überblick zu geben oder das Thema erschöpfend zu behandeln.

  • Überblick über das Nervensystem
  • Aufbau eines Neuron
  • Grobe Erregungsleitung innerhalb einer Nervenzelle
  • Reizmodulation
  • Synapse
  • Reflexbogen, inkl. einer Versuchsstation zum Kniesehenreflex und Lidschlussreflex
  • Aufbau & Funktionsweise des Gehirns
  • Versuche zum lernen – ziemlich trivial aber für fast alle Klassenstufen gut nutzbar, selbst für die Oberstufe! Außerdem gibt diese Station auch einen ganz groben Überblick über die Unterschiede zwischen den Gehirnen verschiedener Tiere.
  • Vegetatives Nervensystem
  • Unterschiedliche Schäden des ZNS durch Krankheit oder Unfälle.
  • Die Wirkung von Drogen
Die Stationen sind relativ einfach gehalten und kratzen meist an der Oberfläche. Für die Mittelstufe des Gymnasiums wären sie perfekt. Dumm nur, dass dort wo ich arbeite, das Nervensystem am Ende der Mittelstufe ansteht und das Curriculum hier teilweise mehr tiefe verlangt. Trotzdem, der Zirkel kommt zum Einsatz. Und zwar als Einstieg in das Thema Nervensystem. Nachdem Abschluss der Stationen gehen wir dann nochmal vertiefend auf die Punkte ein, die notwendig sind. In meinem Fall ist dass vor allem das Ruhe und Aktionspotential, der Aufbau des Rückenmarkes – der völlig fehlt und das Hormonsystem. 

Für das berufliche Gymnasium habe ich den vollen Zirkel nicht verwenden können. Stattdessen verwende ich selektiv die Stationen, die sich mit dem Gehirn beschäftigen am Ende des Themas und Schuljahres (kurz vor den Sommerferien). Hier verlangt das Curriculum kaum mehr als mit den Stationen erarbeitet werden kann und auch hier bieten die Stationen mal wieder eine erfreuliche Abwechslung für Schüler und Entlastung für mich.

In der Realschule lässt sich, der Zirkel dagegen genauso wie er ist vollumfänglich nutzen und damit auch das Thema fast gänzlich erarbeiten. Die Vertiefungen die es nach Curriculum hier bedarf sind äußerst gering und lassen sich in zwei weiteren Doppelstunden abarbeiten. Um etwas Zeit zu sparen, könnten sogar ein paar Stationen (je nach Schulcurriculum) rausgelassen werden, da die Themen nicht verlang würden.

 

Fazit - Meine Meinung & Erfahrungen

Zusammenfassend finde ich den Zirkel ziemlich gut gelungen. Na klar, gibt es hier und da Punkte die ich anders machen würde, wenn ich mir so einen Zirkel ausdenken würde. Aber da steht mal wieder das kleine Wörtchen wenn mit drinnen. Einen einfachen Lernzirkel mit vielleicht sechs oder acht Stationen zu bauen erfordert schon sehr viel Vorbereitungszeit. So einem riesigen Lernzirkel mit über 20 Stationen habe noch nie gebastelt und werde wohl auch in nächster Zeit zumindest nicht die nötige Zeit finden.

Dass die Stationen nicht (oder nur teilweise etwas) aufeinander aufbauen ist zudem etwas, dass für mich die Anschaffung sinnvoll macht. Für Vertretungsstunden habe ich schon mal ein paar Stationen schnell kopiert und bearbeiten lassen und für Zeiten wie den Corona-Lock-Down eigenen sie sich auch, da sie wirklich selbst erklärend gestaltet sind.

Für die Oberstufe ist der Zirkel nicht zu gebrauchen aber einzelne Stationen können als Mini Zirkel, als Teil oder eines eigenen Zirkels, als Hausaufgabe oder für eine Kleingruppe Phase bspw. zwischen zwei anspruchsvollen Blöcken genutzt werden. Ich selbst benutzt einige Stationen immer in einer der letzten Stunden vor den Sommerferien. Wenn es super heiß im Biosaal ist und die SchülerInnen sowieso schon fast im Ferienmodus sind, verlege ich den Unterricht mit einigen Stationen in den Schatten von ein paar Bäumen. So etwas gibts sonst, vor allem im Bio Leistungskurs, nicht und wird immer als Belohnung für das gute Arbeiten der letzten Wochen aufgenommen.

Wenn du Erfahrungen mit dem Zirkel hast schreib‘ doch gerne einen Kommentar. Wenn dir der Beitrag gefallen oder nicht gefallen hat bitte gerne auch. Wenn du Lust auf das Buch bekommen haben solltest, lade kannst Du gerne einfach den Amazonlink unten benutzen. Dank Buchpreisbindung gibts für Dich keine Nachteile aber du unterstützt mich die Kosten für diese Seite etwas zu minimieren. 😉

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